Bergwacht Berchtesgaden - 21.07.2009

Einsatzmarathon am Dienstag

Aufgrund des schönen Wetters waren am Dienstag zahlreiche Bergsteiger in den Berchtesgadener Alpen unterwegs, wobei auch die Einsatzkräfte voll gefordert waren: Die Bergwacht Berchtesgaden musste am Nachmittag zu insgesamt drei Notfällen in Folge ausrücken und war rund fünfeinhalb Stunden durchgehend gefordert: Eine 54-jährige Frau war am Grünstein mit Kreislaufproblemen zusammengebrochen, ein 15-Jähriger hatte sich am Sulzbergkaser (Jenner-Gebiet) die Kniescheibe ausgekugelt und ein verstiegener und erschöpfter 27-Jähriger musste im Bereich Dürreckerkopf (Göll-Massiv) aus Bergnot gerettet werden.

Nachdem die Bergwacht Berchtesgaden während der vergangenen Wochen immer wieder zu meist kleinen Einsätzen ausrücken musste, häuften sich die Notfälle am Dienstagnachmittag innerhalb kurzer Zeit. Gegen 13.30 Uhr wurde der Einsatzleiter der Bergwacht Berchtesgaden von der Rettungsleitstelle Traunstein zu einer 54-jährigen Wanderin mit Kreislaufzusammenbruch auf den Grünstein geschickt. Die Mannschaft rückte mit einem geländegängigen Fahrzeug aus und übernahm die medizinische Erstversorgung der Frau, die im Anschluss mit einem Krankenwagen des Roten Kreuzes ins Krankenhaus Berchtesgaden eingeliefert wurde.

Noch während der Patientenübergabe informierte die Leitstelle den Einsatzleiter über einen 15-Jährigen, der laut Notruf mit einer Knieverletzung am Königsberg auf Hilfe warten würde. Zwei weitere Bergwachtler folgten den Angaben, konnten den jungen Patienten aber zunächst nicht finden. Nach kurzer Rücksprache mit der Sennerin und mit einem Wanderer konnte die Unfallstelle am Sulzbergkaser ausfindig gemacht werden. Der 15-Jährige hatte sich die Kniescheibe ausgekugelt und wurde nach medizinischer Erstversorgung zum Kreiskrankenhaus Berchtesgaden gefahren.

Als die Einsatzkräfte gegen 16.30 Uhr zurück im Depot waren und Material und Fahrzeuge wieder aufrüsteten, läutete in der Bergrettungswache das Telefon: Ein Disponent der Rettungsleitstelle informierte die Helfer über einen erschöpften Wanderer im Bereich Dürreckerkopf. Der 27-Jährige hatte bei der Polizei einen Notruf abgesetzt. Nach einem kurzen Gespräch mit dem Erschöpften lokalisierte ein erfahrener Bergführer der Polizeiinspektion Berchtesgaden die Einsatzstelle und zog in Erwägung, dass sich der Mann auch verstiegen haben könnte. Der Pilot des nachgeforderten Traunsteiner Rettungshubschraubers „Christoph 14“ landete am Bergwachtlandeplatz in Schönau und nahm einen Luftretter für einen Suchflug auf; die Besatzung konnte den Mann aber aufgrund seiner dunklen Kleidung trotz mehrerer Überflüge aus der Luft nicht ausmachen.

So entschlossen sich die Bergwacht-Einsatzkräfte und die Crew von „Christoph 14“, den Hubschrauber per Handykontakt zum Erschöpften zu lotsen: Der verstiegene 27-Jährige konnte den Hubschrauber von seiner Position aus sehen und teilte einem Bergwachtler am Boden per Mobiltelefon die Flugrichtung mit; der Bergwachtler wiederrum übermittelte alle Angaben per Funk an den Hubschrauber, wobei der Pilot nach kurzer Suche die Einsatzstelle erreichte. Notarzt und Luftretter konnten über die Kufe aussteigen und untersuchten den Mann. In zwei Flügen wurden Patient und Retter wieder über die Kufe aufgenommen und ins Tal geflogen.

Der 27-Jährige wollte nach eigenen Angaben über den Alpeltalsteig absteigen, wobei er vom Weg abkam und im Pflugtal umherirrte. Als ihm schließlich noch ein Wildtier über den Weg sprang, packte ihn endgültig die Angst. Er wusste nicht mehr vor und zurück und setzte einen Notruf ab. Um 19.45 Uhr endete für die Bergwacht der fünfeinhalb Stunden lange Einsatzmarathon.