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Bergwacht Berchtesgaden - 22.06.2007

Unterkühlte Jugendgruppe am Mannlgrat gerettet

Am Freitag um 16:22 Uhr wurde die Bergwacht Berchtesgaden von der Rettungsleitstelle zu einem außergewöhnlichen Einsatz alarmiert. Eine Gruppe mit 15 Jugendlichen, Mädchen und Knaben, im Alter von durchschnittlich 16 Jahren fuhren mit zwei erwachsenen Betreuern auf den Kehlstein. Dort entschloss sich die Gruppe einer kirchlichen Einrichtung aus Nordrhein-Westfahlen über den Kehlstein-Rundweg zu wandern. Kurz vor der sogenannten Postenmauer wurden sie auf das Hinweisschild „Klettersteig nur für Geübte“ aufmerksam.

Trotzdem ging die Gruppe zum Mannlgrat weiter. Alle waren nur mit Turnschuhen und einer leichten Oberbekleidung ausgerüstet. Nur mühsam kamen sie entlang der Drahtseile sowie auf den Treppen und Leitern voran. Als sie gegen 16:00 Uhr bereits im hintersten Teil des Klettersteiges waren, ging ein schweres Gewitter mit Hagel über diesen Bereich nieder. An den Drahtseilsicherungen mussten sie völlig ungeschützt ausharren.

Glücklicherweise konnte sie in dieser Situation mit einem Handy einen Notruf absetzten. Ein Hubschraubereinsatz war beim Eingang des Alarmes wetterbedingt noch nicht möglich. Nach kurzer Zeit fuhr ein Bergrettungsfahrzeug mit einer Einsatzgruppe auf den Kehlstein und traf bereits um 17:35 Uhr bei der Gruppe ein. Weitere Einsatzkräfte brachten Ausrüstung und Wärmematerial nach. Alle hatten eine erkennbare allgemeine Unterkühlung, waren völlig erschöpft und bis auf die Haut durchnässt. Keines der Mitglieder war noch in der Lage, mit eigenen Kräften zum Kehlsteinhaus zu gehen. Ein weiteres großes Glück war dann, das der Grat vom Nebel frei wurde und der Polizeihubschrauber „Edelweiß 8“ bereits zu einem Einsatz bei der Bergwacht Ramsau vor Ort war. Bergwachtmänner legten Sicherungsseile an und bereiteten die Aufnahme mit dem Hubschrauber vor. In sechs äußerst schwierigen Flugmanövern gelang es der Besatzung, die 17 Personen im Schwebeflug aufzunehmen und in insgesamt 20 Minuten zur Buswendeplatte am Kehlstein zu fliegen.

Dort stand bereits ein Notarzt mit einem Notarzteinsatzfahrzeug, ein Rettungsfahrzeug mit zwei Rettungssanitätern und ein Einsatzleiter mit 7 Mann der Schnelleinsatzgruppe vom Roten Kreuz Berchtesgaden bereit. Die RVO stellt einen Bus vorgeheizt an der Wendeplatte bereit. Nach einer ersten medizinischen Untersuchung und Versorgung wurden die 17 Personen im Bus versorgt und damit schließlich zum Krankenhaus Berchtesgaden gebracht. Die gemessenen Körpertemperaturen bei der ersten Versorgung am Berg lagen bereits in einem gefährlichen Stadion.

Der Polizeihubschrauber musste in der Zwischenzeit zum Tanken nach Salzburg, holte dann noch die Einsatzkräfte der Bergwacht vom Grat und setzte dann den Einsatz bei der Bergwacht Ramsau fort. Der Besatzung des Polizeihubschraubers gebührt eine besondere Anerkennung für diese Einsätze unter den gegebenen Bedingungen.
Ein Polizeibergführer der Polizeiinspektion Berchtesgaden war mit der Bergwacht vor Ort und führte die notwendigen Ermittlungen durch. Von der Bergwacht Berchtesgaden waren insgesamt 14 Mann bis 20:30 Uhr im Einsatz.

Wenn der Einsatz des Hubschraubers wetterbedingt nicht mehr möglich gewesen wäre, hätten die gesundheitlichen Schäden bei der Gruppe ein unvorstellbares Ausmaß erreichen können. Von der Bergwacht wären dann an die 40 Einsatzkräfte erforderlich gewesen. Bei einem Teil der Betroffenen hätte man mit dem Schlimmsten rechnen müssen.
Die Zusammenarbeit aller beteiligten Einsatzkräfte war beispielgebend.




 

Foto: BRK-Kreisverband BGL