Das großartige Sommerwetter und die damit verbundenen außergewöhnlich warmen Temperaturen führen auf den Bergen zu einer Reihe von Unfällen und Erkrankungen, die auf die Hitze und auf zu wenig Flüssigkeitszufuhr zurückzuführen sind. In der letzten Woche wurde die Bergwacht Berchtesgaden zu insgesamt acht Einsätzen alarmiert. Den schlimmsten Ausgang nahm der Absturz eines 70-jährigen Bischofswiesers am Königssee. Der Mann kam dabei ums Leben.
Alleine am Samstag der vorigen Woche mußte der Bereitschaftsdienst zu vier Einsätzen ausrücken. Eine junge Frau ging von der Rabenwand zum Königsbachwasserfall, verstieg sich dort im schwierigen Gelände und rief um Hilfe. Beim Eintreffen der Bergwacht hatte sich aber ihr Allgemeinzustand so verschlechtert, dass vom Einsatzleiter der Notarzt mit dem Rettungshubschrauber nachgefordert wurde. An einem 50 m langen Bergetau wurde ein Bergwachtmann und der Notarzt an der Einsatzstelle abgesetzt. Auf die gleiche Weise wurde die in Not geratene Frau gegen 15:00 Uhr aus dem Steilgelände aufgenommen und zum Bergwachtlandeplatz geflogen.
Fast stündlich folgten dann die weiteren Einsätze. Ein 30-jähriger Mann aus Fürstenfeldbruck stieg vom Hohen Göll ab und wollte über den Mannlgrat zum Kehlsteinhaus. Schon am Beginn des Mannlgrates kam er vom gesicherten Steig ab und geriet in ein schwieriges , steiles Gelände am Rande der Göllwestwand. Dort setzte er per Handy einen Hilferuf ab. Der Rettungshubschrauber „Christoph 14“ mußte einen Bergwachtmann an einem 80 m langen Bergetau zur Einsatzstelle fliegen. Nach einer kurzen Vorbereitung konnte der Gerettete an dem langen Seil unverletzt zur Scharitzkehlalm geflogen werden. Bei den derzeit herrschenden warmen Temperaturen ist das Fliegen im Gebirge äußerst schwierig. An die Piloten werden dabei große Anforderungen gestellt.
Unmittelbar danach mußte ein erschöpfter 61-jähriger Mann aus dem Raum Stuttgart auf der Priesbergalm versorgt und mit einem Bergrettungsfahrzeug zu Tal gebracht werden. Das Fahrzeug war noch nicht im Tal angelangt, kam schon der nächste Notruf aus dem Bereich Priesbergalm.
Ein 59-jähriger Urlaubsgast aus Baden-Württemberg stürzte beim Abstieg und zog sich eine Beinverletzung zu. Die Frau wurde von der Bergwacht versorgt und zum Krankenhaus gebracht.
Am Sonntag war es noch ein 78-jähriger Urlaubsgast aus dem Raum Wiesbaden, der sich auf der Südseite des Jenner beim Wandern eine Beinverletzung zugezogen hatte. Er wurde ebenso nach der Erstversorgung durch die Bergwacht zur ärztlichen Versorgung in das Tal gebracht.
Zu einem schweren Unfall kam es am Mittwoch auf dem Hohen Göll. Ein 64-jähriger Bergsteiger aus München stürzte beim Abstieg im Bereich der Schusterroute ca. 20 m ab und zog sich dabei eine schwere Kopfverletzung zu. Mit dem Rettungshubschrauber „Christoph 14“ wurden Bergwachtmänner und der Notarzt mit der Gebirgstrage und dem weiteren notwendigen Rettungsgerät im Bereich der Unfallstelle abgesetzt. Nach der Versorgung und Transportvorbereitung wurde der Verletzte in der Gebirgstrage mit einem Bergwachtmann am Bergetau zum Krankenhaus Berchtesgaden geflogen.
Ein für die Bergwacht einfacherer Einsatz kam am Donnerstag. Ein 71-jähriger Urlaubsgast aus Hannover verletzte sich beim Wandern auf dem Jenner. Die Bergwacht brachte den Mann mit einem Bergrettungsfahrzeug nach Hinterbrand wo er von einem Rettungsfahrzeug des BRK übernommen und zum Krankenhaus Berchtesgaden gebracht wurde.
Zu einem tödlichen Unfall kam es am Sonntag. Eine Gruppe von sechs Personen aus dem Talkessel ging auf dem Steig am Ostufer des Königssees vom Königsbachwasserfall über den „Nassen Palfen“ in Richtung der Bootsanlegestelle Kessel. Gegen 10:00 Uhr stürzte ein 70-jähriger Mann aus Bischofswiesen beim Übersteigen eines Baumstammes plötzlich vom Steig weg ca. 80 m bis in den Königssee ab. Die Begleiter hatten weder Ruf- noch Sichtverbindung zu dem Abgestürzten und setzten sofort per Handy einen Notruf ab. Berg- und Wasserwacht wurden alarmiert. Die Wasserwacht war mit dem Einsatzboot und einem Notarzt an Bord in kurzer Zeit im Bereich der Unfallstelle, ebenso das Polizeiboot. Nach kurzem Suchen entdeckte man die Gruppe auf dem Steig und kurze Zeit danach in der Falllinie den Verunglückten im Wasser. Nach der sofortigen Bergung konnte der Notarzt auf dem Boot nur noch den Tod feststellen. Eine Einsatzgruppe der Bergwacht stieg zu der Gruppe auf und begleitete sie zur Anlegestelle Kessel. Der Kriseninterventionsdienst des BRK betreute die Gruppe nach der Ankunft an der Seelände. Ein Polizeibergführer führte an der Unfallstelle die notwendigen Ermittlungen durch.