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27.09.2004

Lebensrettende SMS vom Hohen Göll

Einem SMS-Hilferuf verdankt ein Bundeswehrsoldat aus der Strub vermutlich sein Leben. Der 22-Jährige wurde am Montag, einen Tag nach dem Versenden der Nachricht an mehrere Freunde, im Rahmen einer aufwändigen Suchaktion am Hohen Göll von den Rettungskräften im Bereich der Göllsanden gefunden. Insgesamt hatte der Mann drei Nächte am winterlichen Berg verbracht und sich bei einem 80-Meter-Absturz an der Südwestseite des Berges schwere Verletzungen zugezogen. Bei dem gefährlichen Einsatz mussten die Helfer bei bitterer Kälte in bis zu eineinhalb Meter hohem Schnee waten.




 

Um 17.15 Uhr war am Sonntag bei der Polizei gemeldet worden, dass mindestens drei Personen eine SMS-Mitteilung von dem Bergsteiger erhalten hatten. In dem Hilferuf hatte er mitgeteilt, dass er bereits seit zwei Tagen verletzt auf dem Hohen Göll liege. Während Polizei und Bergwacht alle Möglichkeiten abklärten, wurden auch der Rettungshubschrauber aus Traunstein und ein Polizeihubschrauber angefordert. Die Wolkenuntergrenze lag aber im gesamten Bereich so tief, dass eine Suchmannschaft nur bis zum Purtschellerhaus geflogen werden konnte.




 

Bei völliger Dunkelheit, Regen und Schneefall stieg die erste Suchgruppe von dort zum Gipfel des Hohen Göll auf. Im Gipfelbuch war kein Eintrag. Nachts war bei extrem dichtem Nebel ein geplanter Abstieg in die Göllumgänge nicht möglich. Während eine weitere Gruppe vom Kehlstein über den Mannlgrat in Richtung Göll aufstieg, kam die erste Gruppe vom Göllgipfel über den Mannlgrat zurück. Erst lange nach Mitternacht kehrten die Suchgruppen von dem nicht ungefährlichen Einsatz ergebnislos ins Tal zurück. In der Zwischenzeit konnte in Erfahrung gebracht werden, dass es sich bei dem Vermissten um einen 22-jährigen Soldaten des Struber Gebirgsjägerbataillons handelt, der bereits am Freitag, angeblich gut ausgerüstet, vom Kehlstein über den Mannlgrat zum Hohen Göll und weiter über das Hohe Brett zum Stahlhaus gehen wollte.




 

Am Montag um 6 Uhr liefen die Vorbereitungen für die weitere Suche an. Bergwacht, die alpine Einsatzgruppe der Polizei und ein Suchtrupp der Bundeswehr koordinierten den Einsatz. Es herrschte Regen und die Wolkenuntergrenze lag tief. Ein Polizeihubschrauber und ein SAR-Hubschrauber aus Penzing trafen ein. Suchgruppen stiegen auf allen bekannten Routen von der Westseite her zum Hohen Göll auf. Am frühen Nachmittag entdeckte schließlich eine Gruppe eine erste Spur an der Südseite des Gipfelaufbaues. Der Nebel stieg höher und um 14.20 Uhr konnte vom SAR-Hubschrauber aus eine im Schnee liegende Person entdeckt werden. Bergwachtmänner und Rettungsgerät wurden von Hubschrauber aus mit der Winde abgesetzt. Der bis dahin vermisste Soldat war noch ansprechbar, hatte schwere Verletzungen und Anzeichen einer allgemeinen Unterkühlung. Nach der Versorgung an der Unfallstelle wurde der Verletzte vom SAR-Hubschrauber mit der Winde aufgenommen und in das Landeskrankenhaus Salzburg geflogen.




 

Bisher ließ sich der Verlauf so rekonstruieren: Der Soldat war vermutlich vom Kehlsteinhaus über den Mannlgrat zum Hohen Göll aufgestiegen. Die Nacht vom Freitag auf den Samstag hatte er bei widrigen Wetterverhältnissen an einem unbestimmten Ort verbracht. Bei dem Versuch, im dichten Nebel vom Göll abzusteigen, war er zu einem unbestimmten Zeitpunkt rund 80 Meter in die Göllsanden abgestürzt, wobei er sich schwere Verletzungen zugezogen hatte. Nachdem der Mann wieder zu sich gekommen war, hatte er die lebensrettende SMS-Nachricht abgesetzt.

An dem Einsatz waren der Rettungshubschrauber Christoph 14, ein Polizeihubschrauber, ein SAR-Hubschrauber, 13 Bergwachtmänner, 10 Männer der alpinen Einsatzgruppe der Polizei und 10 Soldaten des Hochgebirgszugs der Gebirgsjäger in der Strub beteiligt, die alle ideal zusammenarbeiteten. Alle Einsatzkräfte, insbesondere die Bergwachtmänner, kamen rund 24 Stunden nach der Alarmierung mit Glück und Umsicht unversehrt im Tal an.




 

26.09.2004
01.10.2004