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26.09.2004

Rettungsaktion im Steineren Meer

Tourist hatte kalte Nacht im Freien verbracht.

Am Freitag stiegen drei Touristen aus Sachsen vom Königssee zum Kärlingerhaus auf. In der Nacht zum Samstag regnete es weiterhin stark, auf Höhen ab 1600 m schneite es. Für weit her angereiste Touristen oftmals verständlich, dass man trotz widriger Wetterverhältnisse nicht in der Hütte bleiben will. Am Samstag nahm sich die Gruppe gegen 09:00 Uhr vor, eine Tour zum Ingolstädter Haus zu unternehmen. Aber schon nach einer relativ kurzen Strecke entschlossen sich zwei Männer wieder umzukehren. Der Dritte im Bunde erklärte seinen Freunden, dass er zum Ingolstädterhaus und dann wieder zurück zum Kärlingerhaus gehe. Als er gegen 21:00 Uhr noch nicht zurück kam, machten sich seine Freunde und vor allem der Hüttenwirt des Kärlingerhauses bei diesen Wetterverhältnissen berechtigte Sorgen.

Von der Hüttenwirtin des Ingolstädter Hauses war telefonisch zu erfragen, dass der Vermißte gegen 14:00 Uhr (nach 5 Stunden Gehzeit!) dort eintraf. Seinen Durst löschte er mit einer beachtlichen Menge Bier und trat dann gegen 15:30 Uhr den Rückweg an.

Der Hüttenwirt Sepp Amort stieg mit zwei seiner Mitarbeiter zum Ingolstädter Haus auf, dass sie bei Schneefall und starkem Wind gegen 23:00 Uhr erreichten, ohne den Vermißten anzutreffen. Nach Rücksprache mit der Bergwacht übernachtete der Suchtrupp dort. Ein weiterer Sucheinsatz wäre zu dieser Zeit und bei den gegebenen Wetterverhältnissen nicht mehr möglich gewesen.

Wegen der Sachlage standen am Sonntagmorgen insgesamt 11 Bergwachtmänner, davon zwei Suchhundeführer, für den Einsatz bereit. Mit dem Polizeihubschrauber „Edelweiß 4“ wurde zunächst ein Hundeführer im Bereich der Schönbichlalm abgesetzt. Beim weiteren Suchflug wurde dann vom Hubschrauber aus eine dunkel gekleidete Person ohne Rucksack oder sonstige Ausrüstung entdeckt. In der Nähe konnten zwei Bergwachtmänner abgesetzt werden. Der Mann verbrachte die Nacht bei stürmischen Wetter mit Schneefall im Freien und machte dementsprechend einen erschöpften und unterkühlten Eindruck. Trotzdem lehnte er es zunächst ab, in den Hubschrauber gebracht zu werden. Schließlich wurde der uneinsichtige Vermißte und die abgesetzten Bergwachtmänner vom Polizeihubschrauber zum Bergwacht-Tallandeplatz geflogen. Dort stand bereits der Notarzt, der den Geretteten untersuchte und nach der ersten Versorgung in das Krankenhaus Berchtesgaden brachte. Bei einer dort gemessenen Körpertemperatur von 32° bewegte sich der Mann schon hart am Limit.

Damit war der Tag für die Bergwacht Berchtesgaden noch nicht abgeschlossen, denn man wurde zu einem Großeinsatz am Hohen Göll gerufen (siehe Bericht vom 27.09.2004).

Am Montag gegen 18:00 Uhr alarmierte die Rettungsleitstelle erneut. Per Handy meldete sich dort ein Ehepaar das während einer Wanderung um die Kneifelspitze vom Weg abkam und in ein absturzgefährdetes Gebiet am Kiliansberg geriet. Der Mann stürzte dabei und zog sich diverse Verletzungen zu. In der Dunkelheit war es schwierig, den tatsächlichen Standort zu lokalisieren. Während der Einsatzleiter über Handy den Kontakt zu dem Gästepaar aus dem Raum Bremen hielt, wies er die Rettungsmannschaft über Funk ein. Zur Orientierung der Hilfesuchenden fuhr ein Bergwachtfahrzeug mit blauem Blinklicht auf der Bundesstraße.

Nach der Versorgung durch einen Bergwachtarzt wurde der 68-jährige Verletzte in der Gebirgstrage ca. 80 m in dem steilen Gelände abgeseilt und gegen 21:00 Uhr in das Krankenhaus Berchtesgaden gebracht. Ebenso wurde die Frau mit einem Bergwachtmann abgeseilt.



13.09.2004
27.09.2004