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Bergwacht Berchtesgaden - 26.05.2008

Großeinsatz am Kehlsteinhaus

576 Menschen saßen am Samstagnachmittag vorübergehend am Kehlsteinhaus fest, nachdem ein Brandalarm gegen 16.15 Uhr zu einer Notabschaltung des Aufzugs geführt hatte, mit dem die Besucher von der oberen Buswendeplatte zum Haus transportiert werden. Die ursprüngliche Meldung, dass im Maschinenraum ein Schwelbrand ausgebrochen sei, bestätigte sich bei der ersten Lageerkundung durch die Einsatzkräfte nicht; ein Feuer war zu keiner Zeit festzustellen. Da der Aufzug aber durch den Alarm nicht mehr betriebsbereit war und der alternative Fußweg vom Gipfel zur oberen Buswendeplatte größtenteils mit Schnee blockiert war, wurde ein Großaufgebot an Rettungskräften zur Evakuierung der gefangenen Touristen alarmiert.



Insgesamt kamen sechs Helikopter zum Einsatz: der Rettungshubschrauber »Christoph 14« aus Traunstein, zwei Hubschrauber der Polizeihubschrauberstaffel Bayern in Erding, ein Puma-Großraumhubschrauber der Fliegerstaffel Süd der Bundespolizei in Oberschleißheim sowie zwei Bell UH 1D vom Lufttransportgeschwader 61 der Bundewehr in Penzing. Die betroffenen Personen sollten zügig im Pendelverfahren ausgeflogen werden. Gleichzeitig richteten die Einsatzkräfte am Obersalzberg einen Zwischenlandeplatz und eine Betreuungsstelle mit Behandlungsplatz ein. Der für einen möglichen Hubschrauber-Löscheinsatz vorbereitete Waldbrandsatz der Feuerwehr kam nicht zum Einsatz.

Aufgrund der rund eineinhalb Meter dicken Schneedecke auf über 1 800 Metern und starker Höhenwinde am Gipfelgrat konnten die Maschinen aber nur mit Schwierigkeiten an der Einsatzstelle anlanden; 13 Menschen wurden in vier Flügen zur oberen Buswendeplatte transportiert, weitere 82 Touristen führte die Berchtesgadener Bergwacht über den provisorisch freigeschaufelten und mit einem Seilgeländer gesicherten Fußweg zu den Bussen. Die Bergwacht Berchtesgaden wurde um 16.53 Uhr von der Rettungsleitstelle alarmiert und war unter der Leitung von Bereitschaftsleiter Franz Kermer mit insgesamt 20 Einsatzkräften, zwei Bergwachtärzten und einer Mitarbeiterin vom KID-Berg sowie drei Bergwachtfahrzeugen im Einsatz. Die Bergwacht lenkte und organisierte den beginnenden Hubschraubertransport der Touristen zu den Landeplätzen Kehlsteinhaus, Buswendeplatz und Obersalzberg. Auch für die Betreuung und Information der vielen verängstigten Gäste fanden die Helfer der Bergwacht Zeit.




 

Die Bergwacht war es auch, die den Fußweg vom Kehlsteinhaus zur Buswendeplatte auf die gesamte Länge frei schaufelte und mit rund 250 Metern Sicherungsseil versah. Dieser Fluchtweg war nicht tief verschneit, sondern lag ganz einfach noch unter einer tiefen Altschneedecke. Hier wurde damit begonnen, gehfähige und mit entsprechenden Schuhen ausgerüstete Touris-ten herunter zu führen.

Nach rund zwei Stunden konnten Techniker den Aufzug wieder in Betrieb nehmen und die restlichen Wartenden abtransportieren, die größtenteils nur über leichtes Schuhwerk verfügten. Der Aufzug fasst pro Fahrt 47 Personen.

Alle 576 Geretteten wurden mit RVO-Bussen bis zur Betreuungsstelle am Obersalzberg gefahren, wo sie vom BRK namentlich regis-triert und gesichtet wurden; sie kommen aus Deutschland, Österreich, der Schweiz, Ungarn, China, Japan, England, den USA, Australien, Griechenland, Holland, Kroatien, der Slowakei, Polen, Süd-Afrika, Slowenien, Tschechien, den Niederlanden und Schweden. Eine Frau klagte auf der Talfahrt im Bus über Kreislaufprobleme und musste medizinisch versorgt werden, ein zweiter Patient zog sich bei einem Sturz Verletzungen zu und musste nach notärztlicher Versorgung per Rettungswagen ins Krankenhaus gebracht werden. Die Geschäftsführung des Intercontinental-Resorts am Obersalzberg unterstützte spontan die Einsatzkräfte und stellte zur Verpflegung der Helfer und betroffenen Touristen kostenlos Kaltgetränke und heißen Tee bereit. Über die Ursache der Notabschaltung liegen laut Polizeiangaben noch keine Erkenntnisse vor. Monteure einer Spezialfirma begannen nach der Evakuierung sofort mit der Fehlersuche. Die Kriminalpolizei Traunstein hat die Ermittlungen übernommen.

An der Rettungsaktion waren 24 Polizeibeamte, etwa 90 Feuerwehrleute, 66 Einsatzkräfte des Roten Kreuzes, darunter 19 Retter der Bergwacht Berchtesgaden, vier Schnell-Einsatz-Gruppen sowie die Sanitätseinsatzleitung mit Unterstützungsgruppe beteiligt. Die Zusammenarbeit der Einsatzorganisationen klappte besonders reibungslos, da ein nahezu identisches Schadenszenario bereits im Oktober 2004 Inhalt einer Großübung am Kehlsteinhaus war. Die Besucher nahmen die unfreiwillige Wartepause gelassen hin und verhielten sich während der gesamten Rettungsaktion ausgesprochen diszipliniert und geordnet, was den Helfern ihre Arbeit wesentlich erleichterte.

Christian Fischer, Berchtesgadener Anzeiger